Chile

posted in: Allgemein, Südamerika | 6

Der Norden

Sobald wir die bolivianische Grenze verlassen, gibt es endlich wieder Asphalt unter den Rädern. Eine perfekte Strasse führt uns von fast 4000 m.ü.M. nach San Pedro de Atacama auf knapp 2300 m.ü.M. Die Grenze befindet sich am Dorfeingang und die Einreise ist schnell erledigt. Wir wussten, dass die Chilenen die Lebensmittelkontrolle sehr ernst nehmen und genau machen. Es ist wichtig, dass man auf dem auszufüllenden Formular immer ankreuzt, dass man Lebensmittel dabei hat, ansonsten muss man mit teuren Konsequenzen rechnen. Früchte, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte dürfen nicht nach Chile importiert werden. So müssen wir unsere letzte halbe Zwiebel abgeben, ansonsten haben wir glücklicherweise nichts Verbotenes dabei.
Am anderen Ende des Städtchens finden wir einen hübschen Campingplatz wo wir unser Lager für ein paar Tage aufschlagen.

In der nächsten grossen Stadt in Calama klappern wir alle Geschäfte und Mechaniker ab, doch leider ohne Erfolg. Zum Glück gibt es hier seit langem wieder einen grossen Supermarkt mit einem riesigen Sortiment. Gleichzeitig treffen wir auf Maximundo, Sarah und Chistian aus Zürich, welche gerade auch ihre Vorräte im Supermarkt-Schlaraffenland auffüllen. Anhand des Kassenbons merken wir schnell, dass Chile teuerer ist, als die anderen Länder, dafür aber ist die Auswahl auch dreifach so gross.

Unsere Reise geht weiter durch eine der trockensten Landschaften dieser Welt - durch die Atacamawüste. Wunderschöne Steinformationen säumen die Strasse. Unser nächstes Ziel ist ein neuer Ersatzreifen zu finden, denn die aufgeschlitze Seitenflake will uns niemand reparieren.

Gemeinsam fahren wir zur Küste und finden einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer.

Die Wüste in Chiles ist eine der trockensten Regionen der Erde und Schauplatz des klarsten Himmels der südlichen Halbkugel. Deshalb für uns ein toller Ort um den Sternenhimmel zu beobachten. Leider gibt es an diesem Abend gerade ein Bild bis eine grosse Wolkendecke dem Spektakel ein Ende setzt. Trotzdem ein wunderbares Erlebnis.

Da unser Ersatzrad immer noch kaputt ist, entschliessen wir ziemlich zügig nach Santiago de Chile runterzufahren, weil wir dort die besten Chancen haben, den richtigen Reifen zu finden. Die Fahrt ist ziemlich eintönig, denn die Wüstenlandschaft bietet keine grossen Abwechslungen.
Nach Antofagasta machen wir einen Stopp. Hier hat ein Künstler ein gigantisches Kunstwerk in der Einöde geschaffen. "Die Wüstenhand" ist aus Zement und ragt elf Meter aus dem Sand.

Rund um Santiago de Chile

Nach weiteren Fahrstunden auf der Panamericana erreichen wir Santiago de Chile. Die Masteraufgabe des Tages ist der neue Ersatzreifen zu bekommen. Wir werden vom einen Ort zum anderen weitergeleitet, denn jeder meint er hätte leider nicht die passenden Dimensionen, doch der Kollege hätte sie bestimmt. Wir fahren zu verschiedene Garagen und Händlern und nach vier Stunden werden wir endlich fündig.
Leider wüten seit einigen Tagen riesige Waldbrände südlich von Santiago. Wir verfolgen die News und erfahren, dass deshalb alle Nationalparks vorübergehend geschlossen sind. Es bleibt uns also nichts anderes übrig als nochmals Kilometer abzuspulen und bis zum Seengebiet runter zu fahren. Die Strasse ist zum Glück in einen guten Zustand und es gibt hier auch wieder topmoderne Tankstellen. Die Copec Tankstelle hat schöne, saubere WC's und meistens auch wunderbare Duschen für 500 Pesos. Gratis WIFI bieten sie auch an und im besten Fall gibt es sogar ein keines Restaurant. Wie andere Reisende auch übernachten wir an der Tankstelle und können am Abend im Bett sogar noch einen Film streamen.

Das Seengebiet – Südchile

Seit Santiago hat sich das Landschaftsbild total verändert. Nördlich davon dominierten Brauntöne, hier hingegen das saftige Grün. Auffallend für uns ist, dass die Kuhherden hier wieder auf eingezäunten Weiden grasen und sie nicht mehr von Hirten begleitet werden. Die Häuser werden wieder stabiler gebaut und die Strassen haben teilweise wieder einen Pannenstreifen.
Wir finden einen wunderschönen Campingplatz in der Nähe von Temuco und geniessen das schöne Wetter und die Gesellschaft anderer Reisenden für ein paar Tage.

Auf der Panamericana geht es weiter Richtung Süden zum zweit grössten See Chiles, zum Lago Llanquihue. Diese Gegend war einst das Hauptsiedlungsgebiet der Einwanderer aus Deutschland im 19. Jahrundert.
Ein Glück für uns, denn noch heute werden überall leckere "Kuchenes" (chileniche Mehrzahl von Kuchen :)) angeboten.
Beim kleinen, hübschen Restaurant Rincon Aleman in Cascadas können wir der Versuchung nicht widerstehen und schlagen uns die Bäuche voll. Wir dürfen direkt am See campen und geniessen das Sommerfeeling am See. Osorno, einer der vielen Vulkane von Chile, macht die Kulisse perfekt.

Carretera Austral

Die Carretera Austral ist eine rund 1200km lange Strasse im Süden von Chile welche noch immer nicht vollständig gebaut ist. Für uns ein absolutes Highlight in Patagonien, denn sie führt durch die landschaftlich beeindruckendsten Ecken dieser Region.
Wir füllen in Puerto Montt die Vorräte auf, waschen die Kleider und kommen bereits nach wenigen Kilometern zur ersten Fähre. Diese erwischen wir gerade noch, bevor sie auch schon ablegt. Die Sonne steht bereits tief und wir geniessen die herrliche Abendstimmung noch auf dem Wasser. Nun führt eine gute Schotterpiste zum nächsten Hafen nach Hornopirèn. Wir übernachten 10km davor an einem schönen Fluss und reisen morgen weiter.

Früh am nächsten Morgen erreichen wir den Hafen und möchten ein Ticket kaufen. Leider sind zu dieser Jahreszeit alle Tickets für die nächsten zwei Tage bereits reserviert und ausverkauft. Trotzdem kaufen wir ein Ticket für zwei Tage später und erhalten den Tipp der Verkäuferin uns doch in der Warteschlange einzureihen und abzuwarten ob es allenfalls noch freie Plätze gibt. So war es dann auch und am Mittag waren wir auf der fünf stündigen Fähre nach Galeta Gonzalo unterwegs. Die Fähre führt durch wunderschöne Fjorde umgeben von hohen Bergen.

Nationalpark Pumalin

Auf der anderen Seite müssen wir nach 10km Fahrt auf die letzte Fähre warten und können während dieser Zeit bereits den Nationalpark Pumalin zum ersten Mal geniessen.

Am nächsten Morgen montieren wir unsere Trekkingschuhe und machen eine kleine Wanderung. Der kalte Nebelwand zieht uns in seinen Bann und fasziniert uns sehr. Über Stock und Stein wandern wir durchs Grün und gelangen zu den wunderbaren Wasserfällen.

Santa Barbara und Chaitèn

Die Reise geht weiter zur Küste, wo wir am Santa Barbara Beach einen tollen Übernachtungsplatz direkt am Meer finden. Im Wasser spielen einige Robben welche wir vom Strand aus beobachten können. Es liegt genug Holz herum, sodass wir ein schönes Lagerfeuer machen können. Zum Glück hat es noch ein Paar Grillwürste im Kühlschrank.

Gemütlich geht es am nächsten Morgen weiter in das verschlafene Städtchen Chaitèn. Es liegt direkt am Meer und mit seinen alten Häuschen hat es einen speziellen Charme. Auf einer Nebenstrasse entdecken wir einen alten, grünen Reisecar mit der Aufschrift Foodtruck. Das trifft sich gut, denn das Frühstück war heute sehr spärlich ausgefallen. Auf der Tafel nebenan steht nicht wie gewöhnlich die Reiseroute, sondern das Tagesmenu: Quiche Lorraine mit Salat und einem frischen Himbeersaft. Wir überlegen nicht lange und schon sitzen wir im "Foodtruckrestaurant" an einem kleinen Tischchen. Der Truck ist toll ausgebaut und mit viel Liebe zum Detail dekoriert, sodass wir uns richtig wohl fühlen. Das Essen schmeckt uns hervorragend und zum Dessert gibts natürlich frische "Kuchen".

National Park Pumalin Teil 2

Der Pumalin hat uns so sehr gefallen, dass wir nach Chaitèn, von Süden her, nochmals in den Park fahren. Auf einer guten Schotterpiste geht es bis zum Wald und dann durch einspurige Waldwege weiter. Eine wunderschöne Fahrt durch den dichten Wald, entlang einem grossen Fluss steht uns bevor.

Unser Ziel ist der Camping Ventisquero. Ein wunderschöner, aber einfacher Nationalpark Camping mit einer grandiosen Aussicht direkt auf die riesigen Gletscher. Wir installieren unser Camp und geniessen diesen schönen Ort. Da die Chilenen gerade Ferienzeit haben, ist der Camping voll. Der Platz ist zum Glück sehr gross, sodass wir ein schönes Plätzchen für uns finden. Für den nächsten Morgen planen wir eine Wanderung und einen Besuch bei den Thermalquellen Amerillo welche nicht weit entfernt sind.

Bei traumhaftem Wetter fahren wir weiter auf der Carretera Austral. Wir haben im Vorraus viele Meinungen über den Strassenzustand dieser Route gehört, doch wir müssen sagen, dass der grösste Teil gut asphaltiert ist. So auch heute. Wir machen einige Kilometer entlang dem türkisblauen Fluss Rio Frio und können die Gletscher rundehrum einfach nur bestaunen. Wir landen ausserhalb eines ganz kleinen Dörfchens mit geschätzen 10 Häusern und finden einen wunderbaren Platz auf der Weide zwischen den Schafen.

Da sich unsere Vorratsschublade langsam aber sicher leert fahren wir heute zu der einzigen grossen Stadt nach Coyhaique. Natürlich geht es gleich nach dem Einkaufen weiter, denn die Carretera überrascht uns jeden Tag aufs Neue mit ihrer wunderbaren Naturschönheiten.
Wir hätten nie gedacht, dass wir hier in Chile sogar das Matterhorn finden werden.

Uns faszinieren auch die verschiedenen Brücken die es hier so oft gibt. Einige Überfahrten sind sehr abenteuerlich, denn der ganze Bretterboden der Hängebrücke schaukelt nach wie eine Welle wenn unser VW Bus darüber rollt.

Wir verabschieden uns hier von der Carretera Austral und können uns echt glücklich nennen, denn das Wetter war die ganze Zeit traumhaft schön. Chile zeigt sich hier von seiner schönsten Seite und wir konnten diesen Abschnitt so richtig geniessen.

Patagonien

Unsere Entdeckungsreise in Patagonien geht weiter. Unser letztes Highlight in Chile ist der Nationalpark Torres del Paine. Allerdings erleben wir hier eher ein Wetterpech. Die Wolken sind so dicht, dass wir das Bergmassiv erst gar nicht sehen können. Also harren wir einen Tag aus und erhaschen am nächsten Morgen während dem Frühstück das einzige kurze Zeitfenster um diesen Giganten zu sehen. Leider ist nach einer Viertelstunde wieder alles in dicke Wolken gehüllt und so blasen wir unser Wanderpläne ab. Sattdessen fahren wir weiter über Puerto Natales in Richtung Ende der Welt.

6 Responses

  1. h. u. R. Frehner
    | Antworten

    Unsere Lieben.
    Wir haben eure fantastischen Bilder mit dem Kommentar sehr genossen. Kommt schliesslich wieder gut zurück. Wir wünschen euch weiterhin viele markante Eindrücke und eine gute Reise.

    Oma und Opa

    • admin
      | Antworten

      Lieber Opa, Liebe Oma
      Herzlichen Dank für euer Kompliment.
      Wir sind langsam aber sicher auf dem Endspurt und sind gespannt was uns noch erwartet.
      Bis bald.
      Andrea und Jonas

  2. Dieter
    | Antworten

    Hallo Ihr Zwei,
    das war ja ein ganz schön langer Weg vom Norden Chiles bis in den Süden. Der Sternenhimmel in der Atacama ist ja echt gigantisch. Im Nationalpatrk Torres del Paine gibt es übrigens noch recht viele Pumas ;-). Es ist sehr spannend bei Eurer Reise mit den tollen Bilder und Berichten dabei zu sein.
    Viele Grüße und eine schöne Zeit
    Dieter

  3. Elias
    | Antworten

    Tolle Bilder zeigt ihr uns da von Südamerika. Die Carretera Austral habt ihr ja von der schönsten Seite erlebt. Da habe ich auch schon andere Berichte gelesen mit ganz viel Regen.
    Wie viele Tag wart ihr nun Unterwegs von Beginn dieses Blogbeitrags bis nach Puerto Natales?
    Liebe Grüsse
    Elias

  4. Karlheinz Gebhardt
    | Antworten

    Liebe Andrea, lieber Jonas.
    Schon toll, dass ich Euch auf Eurer Tour treffen durfte. Ihr habt hier wirklich wunderschöne Fotos reingestellt. Ich freu mich, Euren Spuren folgen zu dürfen.
    Es grüßt Euch aus Copan/Honduras
    Karlheinz

  5. Timo
    | Antworten

    Ich beneide euch!

Leave a Reply to Dieter Antworten abbrechen