Bolivien

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Grenze und Einreise

Entlang dem Titicacasee fahren wir zur Grenze nach Bolivien. Wäre der Zoll auf der Karte nicht als solcher markiert, würde man ihn fast nicht erkennen. Die Barierre ist geschlossen und mit Stopp beschildert.
Wie immer sind die Migracion und Aduana unsere Anlaufstellen.

Die Aduana scheint nicht besetzt denn wir haben in jeden Raum geschaut, doch der Zöllner hat wohl gerade ein Nickerchen gemacht. Plötzlich poltert es und ein verschlafender Beamter begrüsst uns freundlich. Er meint wir müssen für die Temporäreinfuhr des Autos online ein Formular ausfüllen. (www.aduana.gob.bo) Für wenig Geld könne man fürs Internet nebenan bezahlen. Wir haben auf der peruanischen Seite extra noch unsere letzten Soles ausgegeben und hatten echt keinen Cent mehr. Nach langem stürmen hat er uns das Formular letztendendes doch ausgefüllt, auch wenn trotzig. Als letzter Schritt der Einreise versucht auch der Polizist noch seine Spielchen. Er will Jonas den offiziellen Stempel nur gegen 10USD geben. Jonas Geduld wird auf die Probe gestellt, bis er nach langem Hin und Her dem Polizisten klipp und klar macht, dass dieser nun den Stempel auf das Papier machen muss. Widerwillig drückt dieser den Stempel auf die Rückseite des Formulares und schmeisst es Jonas hässig vor die Füsse.

Im kleinen Städtchen Copacabana heben wir Bargeld ab und fahren noch weiter bis zu der Seeenge. Hier gibt es keine Brücke. Alte, primitive Holzboote transportieren die Fahrzeuge vom einen Ufer ans andere. Wir müssen uns das wackelige Böötchen mit einem Reisecar teilen.
Mit langen Holzstecken schieben die Arbeiter das Boot vom Ufer weg und fahren gemütlich mit dem kleinen Motor auf die andere Seite. Die Aussicht auf die verschneiten Andengipfel ist grandios. Die Überfahrt dauert etwa 15 Minuten. Auf der anderen Seite sind wir überrascht über die neue Teerstrasse nach La Paz.

La Paz

Unser Camp schlagen wir beim Hotel Camping Oberland, einem ausgewanderten Schweizer auf. Wir geniessen das leckere Schweizeressen und fühlen uns wie zu Hause. Gleich um die Ecke hat Gert, ein ausgewanderter Deutscher, einen kleinen Shop und Quadverleih. Mit ihm machen wir eine Stadttour durch La Paz. Gert lebt bereits über 30 Jahre in Bolivien und passt die Touren individuell auf die Bedürfnisse der Besucher an.

Es ist beeindrucken, wie die Häuser in die Felsen hineingebaut werden und so ganz ohne Verputz als fertig gebaut gesehen werden. Viele Häuser sind nur über Treppen zugänglich, da es so enorm Steil ist.
Wir sind völlig verblüfft über die topmodernen Gondelbahnen durch die Stadt und geniessen das einfache Vorankommen in der Luft. Vom Alto aus, auf über 4000 Metern sehen wir die schneebedecken Gipfel, welche die Stadt umringen.
Der Hauptplatz ist überfüllt mit Tauben, fast wie in Venendig. Die Uhr am Regierungsgebäude fällt mir sofort auf. Etwas stimmt da doch nicht...
In einer schönen Kolonialgasse testen wir die typischen Salenas. Das sind Teigtaschen gefüllt mit Gemüse und ein wenig Fleisch und einer Flüssigkeit. Eine echte Herausforderung diese sauber zu essen.

doch ich brauche lange, bis mir klar wird, dass die Zahlen auf dem Zifferblatt im Gegenuhrzeigersinn geschrieben sind und die Uhr so quasi Rückwärts läuft. Gert erklärt, dass der neue Präsident das so wollte und nun sei es eben so. In einer anderen Gasse sehen wir richtige „freiluft“ Büros. An einem Tisch sitzt ein Arbeiter unter einem Sonnenschirm vor einer Schreibmaschine und füllt hier Steuererklärungen für die Leute aus. Hoffentlich ist die Tinte wasserfest bei schlechtem Wetter.

Zum Schluss führt uns Gert noch zum Hexenmarkt. Es riecht streng nach Kräutern und andern Dingen. Die Stände sind überfüllt mit Artikeln gegen jegliche Beschwerden. Leider gibt es hier immer noch sehr viel Aberglaube und so kann man eben auch getrocknete Lamaföten und andere Abscheulichkeiten kaufen.
Müde und gesättigt mit Eindrücken fahren wir zurück nach Masalla auf den Camping.

Potosi – Mienenstadt

Potosi ist eine Mienenstadt. Wir wissen um die prekären Bedingungen dieser Miene und wollen uns selbst ein Bild davon machen. Aus diesem Grund buchen wir eine Besichtigungstour für den nächsten Tag. Wir werden ausgerüstet mit Gummistiefeln, Schutzanzug, Helm und Stirnlampe. Der alte Tourbus macht einen Halt bei den Mienenwerkzeugläden. Der Führer, ein ehemaliger Mienenarbeiter, zeigt uns den Shop und erklärt, dass sich die Arbeiter sehr über Geschenke freuen würden. Als Vorschlag kann man 2 Tüten Kokablätter kaufen, welche einer Tagesration eines Arbeiters entsprechen oder eine Stange Dynamit mit Zünder, für gerade mal 2 Euro. Danach geht es über holprige Strassen auf 4500 Meter hoch, zum Eingang der Miene.
Bereits der erste Anblick schockiert uns!

Durch einen dunklen, matschigen Gang laufen wir in die Miene herein. Die Gummistiefel sind echt unabdingbar, denn das Wasser auf dem Boden ist teilweise bis 20 cm tief. Bereits nach wenigen Metern müssen wir uns bücken, denn der Gang ist meist nicht höher als ein Meter. Mühselig waten wir durch den Schlamm, können mit dem schlechten Licht kaum etwas erkennen und hoffen, dass es nicht noch enger wird.

Die Leitungen hängen tief herunter. Auf dem Weg treffen wir einige Arbeiter, welche mit ihrer Arbeit fertig sind. Die Wangen sind prall gefüllt, den sie drehen allen einen Baumnussgrossen Kokablätterball in den Wangen hin und her. Die Wirkung der Kokablätter mit einem Katalysator hilft den Arbeitern einerseits den Hunger zu verdrängen und andererseits die Kälte und Hitze besser ertragen zu können. Ohne Kokablätter arbeitet hier niemand. Wir laufen weiter und plötzlich wird es enorm heiss. Ein beissender Geruch steigt uns in die Nase und die ganze Gruppe beginnt zu Husten. Für mich sind die Bedingungen unausstehlich und alles kommt uns sehr unsicher vor. Wir sind echt dankbar, dass es uns in der Schweiz so gut geht und finden es sehr traurig, dass es in der heutigen Zeit leider teilweise immer noch so schlecht Arbeitsbedingungen auf dieser Welt gibt.

Fahrt in den Süden Boliviens

Noch immer denken wir an das Erlebnis in der Miene, während wir durch die schönsten Landschaften Richtung Süden fahren. Die Hauptverbindungsstrassen in Bolivien sind perfekt geteert und das Fahren ist richtig entspannt. Riesige Lamaherden auf grasgrünen Wiesen säumen die Strasse. Blühende Kakteen erinnern uns an Mexico, welche der Landschaft einen ganz neuen Charakter verleihen.

Salar de Uyuni

Unser nächstes Ziel ist der Salar de Uyuni (Salzsee) von Bolivien. Bevor es auf die riesige Salzfläche geht müssen wir nochmals voll tanken und unseren Wassertank füllen. Dies kann man gut in der kleinen Stadt Uyuni welche einige kleine Restaurants und vor allem viele Pizzarien hat. Bei Letzterem machen wir einen Halt und essen seit langem wieder einmal Pizza. Die schmeckt ausnahmsweise sogar richtig lecker. Mit vollen Mägen fahren wir auf den Salzsee. Die Einfahrt ist zu dieser Jahreszeit mit einigen Pfützen versehen und die Oberfläche teilweise recht matschig. Wir suchen uns den besten Weg und fahren kreuz und quer um die nassen Stellen herum. Endlich sind wir auf den endlosen Pisten.

In hohem Tempo fahren wir über den unendlich erscheinenden Salar de Uyuni. Wir machen einen kurzen Stopp beim riesigen Rally Dakar Zeichen. Ganz in der Nähe stehen Flaggen von jedem Land.

Wir entschliessen uns noch 50km weiter zu fahren. Beim nächsten Stopp geniessen wir den traumhaften Sonnenuntergang. Leider ist es so windig das wir die Idee vom Übernachten auf dem Salar ändern und noch am selben Tag zurück fahren.

Die Waschstation ist eigentlich schon geschlossen, doch Jonas zahlt gerne einen schönen Obolus um die Wäsche noch am selben Tag zu kriegen. Der Bursche wäscht mit enormem Fleiss, während einer knappen Stunde, das ganze Salz vom Auto. Am nächsten Tag gönnen wir unserem Auto nochmals eine Wäsche. Gründlich wird das Fahrzeug in jeder Ritze, Unterboden sowie bei den Verschalungen von dem Salz befreit.

Lagunenroute Bolivien nach Chile

450 Kilometer Piste führen auf 4000 Metern Höhe vom Süden Boliviens nach Chile. Entlang etlicher Lagunen, durch traumhafte Landschaften, umgeben von wunderschönen Bergen ist diese Piste bekannt als eine der schönsten Offroadwege überhaupt. Wir wählen die Ostroute. Immer wieder stoppen wir, denn die Landschaft ist absolut fotogen.

Unser VW fährt sich mit der Höherlegung wunderbar und hat glücklicherweise auch bei der Flussüberquerung keine Probleme. Jonas geht barfuss vor uns sucht mir den besten Weg durchs Wasser.

Gegen Acht Uhr abends kommen wir zu der bekannten Laguna Colorada. Die rote Lagune ist Lebensraum von hunderten von Flamingos. Ein eisiger Wind bläst, sodass wir uns einen etwas geschützteren Übernachtungsplatz suchen.

In der Nacht fällt die Temperatur auf ca. -8 Grad und es stürmt die ganze Nacht. Am nächsten Morgen weckt uns die Sonne und wir sind überwältigt von der prächtigen Bergwelt. Die Berggipfel welche gestern in den Wolken versteckt waren sind alle zuckerweiss mit Schnee bedeckt und der Himmel strahlend blau. Ein Panorama wie aus dem Bilderbuch. Die Berge spiegeln sich in der Lagune. Wir beobachten die Flamingos lange, bevor wir uns auf den Weg machen.

Durch den in der Nacht gefallenen Neuschnee geht es auf 4500 Meter hoch. Da passiert das Malheur. In einer tiefen Schneespur übersehen wir einen spitzigen Stein, welcher unsere Seitenflanke aufschlitzt. Zum Glück haben wir ein Reserverad dabei und das Rad relativ schnell gewechselt. Die Luft hier oben ist ziemlich dünn, sodass der Radwechsel mehr Energie als normal in Anspruch nimmt.

Die Route geht in tiefere Lagen und es wird wieder ein wenig wärmer. Von weitem sehen wir das türkisgrüne Wasser der Laguna Verde. Ein traumhafter Ort und wir haben ihn ganz für uns. Schnell kochen wir ein leckeres Mittagessen mit dem letzten Gemüse, denn das dürfen wir nicht über die Grenze nach Chile mitnehmen.

Nur noch 20 Kilometer weiter und wir kommen zum Grenzposten. Der Zöllner gibt uns die Ausreisestempel in die Pässe, jedoch meint er das Fahrzeug könne man hier nicht ausführen. Dies hätten wir 80 Kilometer früher bei den Geysieren machen müssen. Leider wussten wir dies nicht und für 5 Euro hat er uns Versprochen, das Papier selber hochzufahren. Naja, wir sind auf jeden Fall froh, nicht mehr umdrehen zu müssen und reisen nach Chile ein.

2 Responses

  1. Irene Stäheli
    | Antworten

    Sagenhaft!

  2. Ron Albers
    | Antworten

    Hi Jonas and Andrea,
    The landscape you guy’s are travelling through is awesome. It must be a great experience to look in every direction without seeing anything but the original landscape as it must have been like for ages.
    All the best to you both and safe travels!
    Regards, Ron Albers

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